Der Schriftsteller hatte fiebrig eine Idee, doch fern war der Schreibtisch. Glücklicherweise hatte der Einsame Papier und Kugelschreiber dabei. Nervös zog er den Stift aus der Tasche, konnte das Notieren kaum erwarten. So gut. So wichtig. Er fuchtelte.
Bevor er das erste Wort der Geschichte notieren konnte, stach er mit der Spitze des Tintenrollers in die weiche Haut zwischen Daumennagel und Daumenknöchel.
Das Wort schrieb er nach einem Fluch nieder: "Die".
Das Papier sprach Englisch. Vier Monate später starb er an Blutkrebs. Sie legten das Manuskript in seinen Sarg und weinten Tinte.
Die Stadt - 2
Kirchengeschichten
Die Frau war neu in die Stadt gezogen, vor kurzem. Ihr Mann hatte sie dabei - ausser in Gedanken - nicht begleitet, sie waren geschieden. Das Kind hatte die Frau mitgenommen, ein dreijähriges Mädchen, süss.
Die Frau war neu in die Stadt gezogen, vor kurzem. Ihr Mann hatte sie dabei - ausser in Gedanken - nicht begleitet, sie waren geschieden. Das Kind hatte die Frau mitgenommen, ein dreijähriges Mädchen, süss.
An Weihnachten besuchte die Frau mit ihrem
Mädchen den Gottesdienst, es war ganz schön, die Kinder da vorne sangen
unschuldige Lieder voller Heiterkeit. Da fing ihr Mädchen an, auf der Empore
herumzurennen. Nichts schlimmes, das machen Kinder in diesem Alter. Das Mädchen
stampfte mit ihren Gummistiefeln, die sie sich gegen den feuchten Matsch
anlegen hatte müssen, laut auf den Holzboden. „Ich reagiere am besten gar
nicht“, dachte sich die Frau. Es wusste sowieso niemand, dass das ihre Tochter
war. Wie gesagt, neu in die Stadt gezogen.
Das Mädchen begann zu rufen, zu schreien. „Es wird sich beruhigen“, betete sich die Frau in Gedanken selbst zu. „Es weiss niemand, dass das meine Tochter ist. Wenn sie schweigt, ist alles vergessen.“ Das Mädchen schwieg nicht, es tobte, es raste, es rannte kreischend auf der Empore herum und in der Menge erhob sich ein dumpfes Murmeln.
Das Mädchen begann zu rufen, zu schreien. „Es wird sich beruhigen“, betete sich die Frau in Gedanken selbst zu. „Es weiss niemand, dass das meine Tochter ist. Wenn sie schweigt, ist alles vergessen.“ Das Mädchen schwieg nicht, es tobte, es raste, es rannte kreischend auf der Empore herum und in der Menge erhob sich ein dumpfes Murmeln.
Die Frau wollte nicht reagieren, aber sie
musste. Sie konnte nicht mehr anders. Da nahm sie ihre Tochter sanft an den
Schultern und brach ihr das Genick.
Die Stadt - 1
Asphaltgeschichten
Als sie jung gewesen war, hatte sie viel mit ihrem Vater geredet. Er hatte ihr Geschichten erzählt, sie vor den Gefahren des Lebens gewarnt und sie getröstet, wurde sie wieder einmal von Klassenkameraden ausgelacht.
Heute ist sie nicht mehr jung und ihr Vater tot. Niemand erzählt ihr mehr Geschichten, ausser ihr krankes Gehirn, das sich eine eigene Realität zurechtmalt. Niemand warnt sie mehr vor den Gefahren des Lebens, ausser ihre Erfahrung. Niemand tröstet sie, aber das ist in Ordnung, denn ihre Klassenkameraden sind alle tot.
Sie sass auf ihrem Sofa und dachte über die Welt vor den milchigen Fenstern nach. Alle tot. Alle, die in ihrem Quartier aufgewachsen sind, alle, mit denen sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Unter der Erde, unter dem Asphalt. Wenig gab es, das Susann heute noch erschütterte. Doch dass sie die Einzige war, die die Zeit überlebt hatte, das beschäftigte sie ziemlich häufig.
Sie mochte sich noch gut daran erinnern, dass der Mann, der Minister, am Fernsehen gesagt hatte, dass die Zeit nun abgeschafft sei. Man habe es beschlossen. Sie hatte sich erst freuen wollen, weil ja dann viel Platz blieb für menschliche Beziehungen. Schnell hatte sie aber gemerkt, dass sie niemanden kannte. Das Leben ohne Zeit ist aber ganz in Ordnung für Susann, sie hatte sich daran gewöhnt.
Irgendwann klopfte es an Susanns Tür und sie dachte: Was für ein Klischee, gleich zu Beginn des Epos. Denn sie sah das Ende schon lange. Genau wie den Anfang.
Sie öffnete die Tür und ein fremder Mann stand da und wieder dachte sie: Klischee. Aber dann sah sie plötzlich nicht mehr, wohin alles führen würde. Der Mann lächelte.
"Wer sind sie?", fragte Susann und dachte an alle ihre Freunde unter dem Asphalt. Der Mann lächelte. Er zeigte ihr eine Uhr, eine Taschenuhr, an ein Goldkettchen geschweisst. Sie tickte. Und die Uhr auch.
Grau
Als der Strom ausfiel, hielt der Zug.
Zuerst lachten die Gäste, scherzten miteinander wie man das manchmal so macht aber es war Abend und ohne Beleuchtung fiel ein unguter Schatten auf die Gesichter.
Einige schalteten an ihren mobilen technischen Geräten die Leuchte ein um ein Lagerfeuer zu simulieren und jemand hatte Jasskarten dabei.
Einer, der breite Oberarme und wenig Haare besass, versuchte nach einiger Zeit, die Türen aufzustemmen weil irgendwie war kein Zugbegleiter mehr zu finden. Mondlicht ist kühl und junge Männer liehen den älteren Damen ihre Jacken, zumindest bis sie erfrieren, dachten die Männer wohl.
Fenster erwiesen sich als zäh und sowieso: man war ja mitten im Nichts. Kein Bahnhof würde auf den nächsten vierzig Kilometern auftauchen. Überhaupt: Wie war das gekommen? Waren sie nicht von Winterthur nach Pfäffikon gefahren? Da hat es viele Bahnhöfe dazwischen und kaum leere, wüste Ebene.
Nervosität geisterte durch die Seelen.
Als achtundvierzig Stunden später die erste ältere Dame starb, weil sie ihre Medikamente nicht einnehmen konnte, beruhigten sich alle etwas. Es bestand also doch noch Hoffnung.
Zuerst lachten die Gäste, scherzten miteinander wie man das manchmal so macht aber es war Abend und ohne Beleuchtung fiel ein unguter Schatten auf die Gesichter.
Einige schalteten an ihren mobilen technischen Geräten die Leuchte ein um ein Lagerfeuer zu simulieren und jemand hatte Jasskarten dabei.
Einer, der breite Oberarme und wenig Haare besass, versuchte nach einiger Zeit, die Türen aufzustemmen weil irgendwie war kein Zugbegleiter mehr zu finden. Mondlicht ist kühl und junge Männer liehen den älteren Damen ihre Jacken, zumindest bis sie erfrieren, dachten die Männer wohl.
Fenster erwiesen sich als zäh und sowieso: man war ja mitten im Nichts. Kein Bahnhof würde auf den nächsten vierzig Kilometern auftauchen. Überhaupt: Wie war das gekommen? Waren sie nicht von Winterthur nach Pfäffikon gefahren? Da hat es viele Bahnhöfe dazwischen und kaum leere, wüste Ebene.
Nervosität geisterte durch die Seelen.
Als achtundvierzig Stunden später die erste ältere Dame starb, weil sie ihre Medikamente nicht einnehmen konnte, beruhigten sich alle etwas. Es bestand also doch noch Hoffnung.
Reinlich - Postskriptum
Das Problem ist doch, wie eigentlich immer, die Sprache. Sie lässt zu, dass sich die verfluchte Spirale immer tiefer in den weichen Erdboden der Hirnmasse dreht.
So geht's:
Benennt man etwas nicht sondern umschreibt es irgendwie oder fühlt es nur, dann ist es zu vage, um davor wieder Angst zu haben. Also Mysophobie, ok, und eine diffuse Angst vor der Mysophobie, ok. Aber sobald "Metangst" ins Spiel kommt, haben wir wieder einen Gegenstand, etwas, woran wir uns festhalten und Angst davor haben können.
Angst vor der Metangst. Das klingt ja schon krass.
Aber man stelle sich vor, dieses ganze Konzept kriegt einen Namen, irgendwie Hypermetangst oder so.
Dann kann man auch davor wieder Angst kriegen.
Wir sollten Dinge nicht benennen.
So geht's:
Benennt man etwas nicht sondern umschreibt es irgendwie oder fühlt es nur, dann ist es zu vage, um davor wieder Angst zu haben. Also Mysophobie, ok, und eine diffuse Angst vor der Mysophobie, ok. Aber sobald "Metangst" ins Spiel kommt, haben wir wieder einen Gegenstand, etwas, woran wir uns festhalten und Angst davor haben können.
Angst vor der Metangst. Das klingt ja schon krass.
Aber man stelle sich vor, dieses ganze Konzept kriegt einen Namen, irgendwie Hypermetangst oder so.
Dann kann man auch davor wieder Angst kriegen.
Wir sollten Dinge nicht benennen.
Reinlich
Etwas ist ihm aufgefallen, gestern, als er, kurz vor dem Nachtessen, nochmals die Hände wusch. Schliesslich hatte er noch die Katze gestreichelt und da wäscht man die Hände. Aber aufgefallen ist ihm seine Angst.
Nicht die Angst vor Keimen, Bakterien und Schmutz in den Hautrillen, das wäre therapierbare Mysophobie, nein, es war die Angst, Mysophobie zu bekommen.
Jedes mal, wenn der die Hände wusch, wusch er sie mit dem Hintergedanken einer klugen Begründung, weshalb er das jetzt tat, nur um zu versichern, dass es auch wirklich kein Zwang war. Leider wird das selbst zum Zwang.
Sein Psychoanalytiker wird ihm den Begriff Metangst unter die Nase halten und er wird sich daran gewöhnen.
Nicht die Angst vor Keimen, Bakterien und Schmutz in den Hautrillen, das wäre therapierbare Mysophobie, nein, es war die Angst, Mysophobie zu bekommen.
Jedes mal, wenn der die Hände wusch, wusch er sie mit dem Hintergedanken einer klugen Begründung, weshalb er das jetzt tat, nur um zu versichern, dass es auch wirklich kein Zwang war. Leider wird das selbst zum Zwang.
Sein Psychoanalytiker wird ihm den Begriff Metangst unter die Nase halten und er wird sich daran gewöhnen.
Feindseligster Rassismus
Baue ich irgendwann einmal ein Haus, diskriminiere ich die Halbtöne nicht. Und das arme A sowieso, das H soll sich hinten anstellen. Gefälligst.
Viele viele Gebäude: E, F, G, H
Mein Traumhaus: E, F, Fis, G, Gis, A
Viele viele Gebäude: E, F, G, H
Mein Traumhaus: E, F, Fis, G, Gis, A
verben -
summen
Shampoo, Rasierer, Zeiger
Der Abend, eigentlich schon der ganze Tag, lähmte ihn.
Es fühlte sich immer wieder und wieder so an: Las er sich durch die neuste Ausgabe seines sehr langweiligen Anwaltsmagazins, verging die Zeit langsam. Ebenso, wenn er etwas kochte, was hiess, eine Entität aus dem Gefrierfach in den Backofen zu verschieben.
Ebenso, wenn er Freude hatte, da krochen die Sekunden über sein Gesicht wie Blutegel.
Ebenso, wenn er verträumt den Mond betrachtete und in Gedanken versunken über die Wirklichkeit sinnierte, da verging praktisch keine vierte Dimension.
Nur am Abend, wenn er dasass, gar dalag und an die Decke starrte.
Dann hörte er es, das Ticken. Das dumpfe Einrasten des Zahnrades des Zeigers der Sekunden der Uhr, die neben seinem Bett stand.
Je mehr er sich auf das Geräusch konzentrierte, desto mehr verkürzte sich der Ruheraum zwischen den Luftturbulenzen.
Er konnte es nicht fassen - Die Zeit entglitt ihm wie weiches Wasser, das durch Fingerritzen tropft. Es war ihm, als stand er in der Dusche, nackt aber unschmutzig. Und die Zeit, die Zeit war das Wasser, das er gewohnterweise nur auf sich tröpfeln liess.
Nun, es kam ihm also vor, als konnte er nichts dagegen tun, dass seine Hand den Wasserstrahlstärkeregler ergriff und zog, immer weiter zu sich riss, bis er aus der Wand sprang und das feine Tröpfeln zu einem wuchtigen Wasserfall der Zeit wurde und poplige Möchtegernmetapher.
Es fühlte sich immer wieder und wieder so an: Las er sich durch die neuste Ausgabe seines sehr langweiligen Anwaltsmagazins, verging die Zeit langsam. Ebenso, wenn er etwas kochte, was hiess, eine Entität aus dem Gefrierfach in den Backofen zu verschieben.
Ebenso, wenn er Freude hatte, da krochen die Sekunden über sein Gesicht wie Blutegel.
Ebenso, wenn er verträumt den Mond betrachtete und in Gedanken versunken über die Wirklichkeit sinnierte, da verging praktisch keine vierte Dimension.
Nur am Abend, wenn er dasass, gar dalag und an die Decke starrte.
Dann hörte er es, das Ticken. Das dumpfe Einrasten des Zahnrades des Zeigers der Sekunden der Uhr, die neben seinem Bett stand.
Je mehr er sich auf das Geräusch konzentrierte, desto mehr verkürzte sich der Ruheraum zwischen den Luftturbulenzen.
Er konnte es nicht fassen - Die Zeit entglitt ihm wie weiches Wasser, das durch Fingerritzen tropft. Es war ihm, als stand er in der Dusche, nackt aber unschmutzig. Und die Zeit, die Zeit war das Wasser, das er gewohnterweise nur auf sich tröpfeln liess.
Nun, es kam ihm also vor, als konnte er nichts dagegen tun, dass seine Hand den Wasserstrahlstärkeregler ergriff und zog, immer weiter zu sich riss, bis er aus der Wand sprang und das feine Tröpfeln zu einem wuchtigen Wasserfall der Zeit wurde und poplige Möchtegernmetapher.
was mir passiert, erzählt auf der Couch
"Ein mühsamer Gedanke, den ich irgendwie nicht loswerden kann, begleitet mich in letzter Zeit stets", erzählte der Patient.
"Beschreiben sie den Gedanken. Was beinhaltet er [[metanmerkung: wer liest hier auch immer BEIN-haltet? Ich also schon]] und wie fühlt er sich an?"
"Es ist eine Sie", antwortete der Patient und vermischte schon wieder Sprachebene und Realität in unmässigem Masse. Der Psychiater machte sich eine Notiz auf dem gehäuselten Notizblock.
"Bitte beginnen sie", sagte der studierte Arzt dann. Der angesprochene Psychiater sah seinen Patienten an - Schizophrenie, schon wieder. Er machte sich eine Notiz auf dem linierten Notizblock.
"Nun", fuhr der Patient dann fort, "ich kann nicht mehr anders als Menschen einfach als Därme zu sehen. Als Ur-Därme mit Anhängseln. Also Arme, Beine, Penisse, Brusthaare, Gehirne und so weiter. Die hängen doch sowieso alle nur an der Darmröhre dran."
Unbehagen verhärtete sich [[metanmerkung: hier fliesst vieles ineinander]].
"Und dann denke ich, alle Menschen sind nur Röhren, die Stoffe spalten und einbauen aber das so kompliziert machen, dass wir das Gefühl kriegen, es steckt mehr dahinter. Wirklich. Laufen sie durch die Innenstadt, gleich nachher. Schauen sie, wie sich alles auf die Mundöffnung konzentriert. Alles. Es geht nur um Konsum, aber nicht in der neoliberalen Nonsensbedeutung sondern als Konsum, Aufnehmen, In-sich-hinein-stapeln."
Er machte sich eine Notiz auf dem linierten Notizblock.
"Und alles wird dann so.. eklig. Und so zielgerichtet, wissen sie."
Der Patient seufzte tief, er schien zum Kern des Problems vorzudringen.
"Ich mag keine Ziele. Ich mag es, wenn Dinge einfach nur so passieren."
Der Arzt schien bemerkt zu haben, worauf es hinauslief. "Meinen sie", vermutete er murmelnd, "meinen sie etwa so wie das Ende dieses Blogposts?"
]]
"Beschreiben sie den Gedanken. Was beinhaltet er [[metanmerkung: wer liest hier auch immer BEIN-haltet? Ich also schon]] und wie fühlt er sich an?"
"Es ist eine Sie", antwortete der Patient und vermischte schon wieder Sprachebene und Realität in unmässigem Masse. Der Psychiater machte sich eine Notiz auf dem gehäuselten Notizblock.
"Bitte beginnen sie", sagte der studierte Arzt dann. Der angesprochene Psychiater sah seinen Patienten an - Schizophrenie, schon wieder. Er machte sich eine Notiz auf dem linierten Notizblock.
"Nun", fuhr der Patient dann fort, "ich kann nicht mehr anders als Menschen einfach als Därme zu sehen. Als Ur-Därme mit Anhängseln. Also Arme, Beine, Penisse, Brusthaare, Gehirne und so weiter. Die hängen doch sowieso alle nur an der Darmröhre dran."
Unbehagen verhärtete sich [[metanmerkung: hier fliesst vieles ineinander]].
"Und dann denke ich, alle Menschen sind nur Röhren, die Stoffe spalten und einbauen aber das so kompliziert machen, dass wir das Gefühl kriegen, es steckt mehr dahinter. Wirklich. Laufen sie durch die Innenstadt, gleich nachher. Schauen sie, wie sich alles auf die Mundöffnung konzentriert. Alles. Es geht nur um Konsum, aber nicht in der neoliberalen Nonsensbedeutung sondern als Konsum, Aufnehmen, In-sich-hinein-stapeln."
Er machte sich eine Notiz auf dem linierten Notizblock.
"Und alles wird dann so.. eklig. Und so zielgerichtet, wissen sie."
Der Patient seufzte tief, er schien zum Kern des Problems vorzudringen.
"Ich mag keine Ziele. Ich mag es, wenn Dinge einfach nur so passieren."
Der Arzt schien bemerkt zu haben, worauf es hinauslief. "Meinen sie", vermutete er murmelnd, "meinen sie etwa so wie das Ende dieses Blogposts?"
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verben -
Atem nicht anhalten,
denken
Alles was folgt
Markus und Rashid sagten sich von ihrer Religon los. Sie gingen dann einkaufen.
Rashid bezahlte für einen kleinen Pack Saftschinken in Scheiben, riss die Schutzfolie davon weg und biss genüsslich in den Fleischturm, dass ihm Spucke aus den Mundwinkeln tropfte. Markus nahm sich einen Apfel. Und zahlte nicht dafür.
Rashid bezahlte für einen kleinen Pack Saftschinken in Scheiben, riss die Schutzfolie davon weg und biss genüsslich in den Fleischturm, dass ihm Spucke aus den Mundwinkeln tropfte. Markus nahm sich einen Apfel. Und zahlte nicht dafür.
verben -
folgen
Repräsentantenhaus
"Eigentlich wäre das System ja grundfair. So ziemlich zumindest. Mit dem bisschen Unperfektheit, was es menschlich macht, also eigentlich noch besser.
Wir nehmen die Bevölkerung, oder - liberalfrech dahingesagt - Gesellschaft, und wir teilen sie in Gruppen und jede Gruppe erhält dann entsprechend ihrer Prozentzahl Sitze im Parlament."
Viele nickten, aber mehr, weil sie folgen konnten als aus Zustimmung.
"Sagen wir Bauern: Da gibt es vielleicht zwanzig Prozent bei uns. Also gehören den Bauern zwanzig Prozent der Parlamentssitze. Firmenführer, die haben, wenns hoch kommt, Anrecht auf einen Sitz. Bankangestellte vielleicht vier. Bauarbeiter achtunddreissig. Und so weiter."
Eine Denkpause, um das Publikum durchatmen lassen zu lassen: es kommt ja mit.
"Obwohl.. Das Problem ist.. Hm..."
Er kratzt sich bedenkend am linken Ohr.
"Siebenundachtzig Prozent der Parlamentssitze müssten an Idioten gehen. Kann das die Idee sein? Statistik lügt nicht. Sonst wär ja das Volk nicht richtig.. aber so scheitert es an sich selbst.. aber wäre die Konsequenz.. Wo ist das Gleichgewicht.. Wo?"
Der VWL-Professor erschiesst sich theatralisch. Studenten applaudieren.
Wir nehmen die Bevölkerung, oder - liberalfrech dahingesagt - Gesellschaft, und wir teilen sie in Gruppen und jede Gruppe erhält dann entsprechend ihrer Prozentzahl Sitze im Parlament."
Viele nickten, aber mehr, weil sie folgen konnten als aus Zustimmung.
"Sagen wir Bauern: Da gibt es vielleicht zwanzig Prozent bei uns. Also gehören den Bauern zwanzig Prozent der Parlamentssitze. Firmenführer, die haben, wenns hoch kommt, Anrecht auf einen Sitz. Bankangestellte vielleicht vier. Bauarbeiter achtunddreissig. Und so weiter."
Eine Denkpause, um das Publikum durchatmen lassen zu lassen: es kommt ja mit.
"Obwohl.. Das Problem ist.. Hm..."
Er kratzt sich bedenkend am linken Ohr.
"Siebenundachtzig Prozent der Parlamentssitze müssten an Idioten gehen. Kann das die Idee sein? Statistik lügt nicht. Sonst wär ja das Volk nicht richtig.. aber so scheitert es an sich selbst.. aber wäre die Konsequenz.. Wo ist das Gleichgewicht.. Wo?"
Der VWL-Professor erschiesst sich theatralisch. Studenten applaudieren.
verben -
erklären
Staatliches Verteidigungsbudget
Der Saal war am frühen Nachmittag bestuhlt worden, jetzt standen sie da, stramm wie eine Armee; die Stühle.
Überzogen mit dunklem, grünen Samt, damit es etwas weicher ist, stehen sie Stuhlbein an Stuhlbein, Reihe hinter Reihe und Block bei Block.
Noch weiss der Abwart, Holger, nicht, was aufgeführt werden soll. Er musste nur die grünsamtigen Plastiksoldaten formieren. Irgendetwas mit Musik, aber nicht wild, soll es sein aber Holger interessierte sich nicht mehr für das Programm seines Saals seit er mal aus Versehen in die Jahresversammlung des Ostdeutschen Weinbergschneckensammlerverbandes geraten war; das war schleichend langweilig gewesen und raus konnte er da ja nicht einfach so; was hätte das für einen Eindruck gemacht?
Holger besah seine fertige Arbeit. Die sahen bereit für die Invasion Frankreichs aus, diese Reihen und Blöcke.
Ein Mann trat ein, in schwarzem Anzug, Kravatte etwas verspielt, und schritt festen Ganges auf Holger zu. Räuspernd tippte er ihm auf die Schulter.
"Was denken sie sich, Abwart? Wie stehen die Winde?"
Holger drehte sich überrascht um. "Veranstalten sie das Ganze hier?"
Ein Lächeln, zuckend, gab ihm weise Antwort. "Wer kann das schon, Abwart? Veranstalten? Wer soll das können, einen Krieg planen? Der hat eine ganz eigene Dynamik. Da spielt die Schuhbändellänge eines Batallionkoches die selbe Rolle, gleich wichtig, wie die verwinkeltste taktischen Fallen des Generals i.D. Nicht wahr, Abwart? Wir sind alle ein Zahnrad. Und ein Lippenrad."
"Sie kippen ins Absurde, Major", schrie Holger aufgeregt.
"Die Gegner sind absurd! Nichts ergibt Sinn!"
"Wen bekämpfen wir, die Stühle, was marschiert auf gegen uns?" Holger war den Tränen nahe. Die Anspannung vernebelte ihm feucht die Lider.
"Sie sind es! Sie, die uns erschaffen. Jetzt, fortlaufend, gehend..." Er schluckte. "Tippend."
"Die Stehenden", hauchte Holger.
"Sie werden sitzen."
Der Major schwang sein Zepter gegen die erste Schwadro
Überzogen mit dunklem, grünen Samt, damit es etwas weicher ist, stehen sie Stuhlbein an Stuhlbein, Reihe hinter Reihe und Block bei Block.
Noch weiss der Abwart, Holger, nicht, was aufgeführt werden soll. Er musste nur die grünsamtigen Plastiksoldaten formieren. Irgendetwas mit Musik, aber nicht wild, soll es sein aber Holger interessierte sich nicht mehr für das Programm seines Saals seit er mal aus Versehen in die Jahresversammlung des Ostdeutschen Weinbergschneckensammlerverbandes geraten war; das war schleichend langweilig gewesen und raus konnte er da ja nicht einfach so; was hätte das für einen Eindruck gemacht?
Holger besah seine fertige Arbeit. Die sahen bereit für die Invasion Frankreichs aus, diese Reihen und Blöcke.
Ein Mann trat ein, in schwarzem Anzug, Kravatte etwas verspielt, und schritt festen Ganges auf Holger zu. Räuspernd tippte er ihm auf die Schulter.
"Was denken sie sich, Abwart? Wie stehen die Winde?"
Holger drehte sich überrascht um. "Veranstalten sie das Ganze hier?"
Ein Lächeln, zuckend, gab ihm weise Antwort. "Wer kann das schon, Abwart? Veranstalten? Wer soll das können, einen Krieg planen? Der hat eine ganz eigene Dynamik. Da spielt die Schuhbändellänge eines Batallionkoches die selbe Rolle, gleich wichtig, wie die verwinkeltste taktischen Fallen des Generals i.D. Nicht wahr, Abwart? Wir sind alle ein Zahnrad. Und ein Lippenrad."
"Sie kippen ins Absurde, Major", schrie Holger aufgeregt.
"Die Gegner sind absurd! Nichts ergibt Sinn!"
"Wen bekämpfen wir, die Stühle, was marschiert auf gegen uns?" Holger war den Tränen nahe. Die Anspannung vernebelte ihm feucht die Lider.
"Sie sind es! Sie, die uns erschaffen. Jetzt, fortlaufend, gehend..." Er schluckte. "Tippend."
"Die Stehenden", hauchte Holger.
"Sie werden sitzen."
Der Major schwang sein Zepter gegen die erste Schwadro