Die zwei Schwestern

In einem Dorf, das etwas abseits der grossen kalabrischen Küstenstädte lag, bergaufwärts, aber nur, um mit Donatello Verdice zu sprechen, den Hupf einer Eule, lebten in einem durchfurchten Rokoko-Giebelhaus zwei Schwestern mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen der Welt.

Die eine, Lucia, benannt nach der heiligen Lucia della Santonesi, die in ihrer Jugend den örtlichen Fluss mit ihren Tränen entgiftete, verliess sich - nicht übertrieben - absolut auf ihr iPhone. Sie zahlte damit ihre Rechnungen, blieb damit mit all ihren Menschen in Kontakt, schloss damit ihre Zimmertüre auf und liess sich davon beraten, was auch das Absolute erklärt.

Die andere, Mara, nicht grösser als der Stapel Feuerholz hinter Metzger Andros Schlachtschuppen, sah das Leben, die Tage, dann als gut an, wenn es, wenn sie, souverän auf Störung reagiert, en. "Du musst unbedingt widerstandsfähiger werden, liebste Lucia, resilienter", pflegte sie zu sagen, zündete den Kohleherd mit einer Lupe an und machte sich Tee aus Gartenkräutern. "Wenn der Strom fehlt, oder jemand das Internet abstellt, wenn dein Gerät in den Tiber fällt, dann bist du verloren."

Lucia nickte. Sie schätzte den Rat ihrer Schwester, doch nicht so sehr, dass sich etwas ändern würde, und öffnete Duolingo. 

Nun: Mit ihrem iPhone oder dem WLAN hatte Lucia bis zu ihrem Tod keine nennenswerten Probleme und Mara starb recht früh, ohne jemals wirkliches Glück oder wahre Entspannung kennengelernt zu haben.