durchstreichen

Wo ich aufgewachsen bin, erzählte man sich immer die schlimme, schlimme Lebensgeschichte des Listenschreibers Olaf Hirnschaden.

Jeden Morgen, so die Legende, hatte Olaf seine weichen Lider aufgekurbelt und zu einem Kugelschreiber gegriffen. Russisches Roulette, nur eine Kugel.
"Nicht nur Dinge wie Auberginen einkaufen oder Badezimmerspiegel polieren schrieb er auf seine Liste", erzählte mir Grussmutter Anna eines Abends am röhrenden Kachelofen, Nadeln klappern lassend wie das Gebiss eines Schneeforschers, dem man seinen Pelz gestohlen hatte.
"Er tat nur, was er abhaken konnte. Olaf schrieb sogar essen, duschen, trinken auf das Blatt. Einmal hatte er das vergessen und wäre fast verdurstet." Sie seufzte. Wie hatte sie diesen Olaf geliebt.

"Die Listen übernahmen sein Bewusstsein, dann krochen sie, fette, schwarze Egel, auch ins Unterbewusste. Olaf musste atmen aufschreiben, sogar sehen, sogar denken. Er wäre sonst erstickt, blind, leer geworden."

Klar war es wohl eigennützig von ihr gewesen, Anna küssen auf seine Liste zu schreiben. Das hatte sie schon gewusst. Was sie nicht wusste: Er hatte ihre Schrift nie lesen können, sich den Kopf zerbrochen, was die Worte bedeuten könnten, und daran war er dann gestorben, denn auf seiner Liste war Kopf zerbrechen gestanden und so etwas hält ein Hirn halt kaum aus.


  • Exposition schreiben
  • Geschichte gut zu Ende erzählen
  • Ende offen lassen
  • Entscheide dich!

Sprachricht

Dass es vorbei sei, vorbei
mit den Küssen und dem
Umarmenmüssen, dass
er den Ersatzschlüssel
im Milchkasten lassen und
sich sowie künftig seine
eigene Schüssel verpissen
soll, dass sie, und das
meine sie ernst, ihn nie
geliebt habe, hätte sie,
denn sie erntete reichlich
hochgezogene Brauen,
wohl besser erst geschrien,
nachdem sie die Türe zum S-Bahn-WC geschlossen hatte.

Hinweise auf Allergien

"Heute ohne Freiheit", lächelte der Populist im Sandwichladen.

"Alles klar!", sagte dann der nette Mann, der das Sandwich bestreichen wollte, und klaubte die kleinen Schlüsselstücke vom Senf.

Lerninhalte und Kompetenzen

"Wer elegant und schnörkellos skribieren will, sollte schleunigst auf viele Adjektive und Adverbien verzichten", sagte sie langsam.

"Ok."

"Wer elegant und schnörkellos skribieren will, sollte Fremdwörtern und Wiederholungen den Mittelfinger zeigen", sagte sie.

"Ok."

"Wer elegant schreiben will, braucht Ideen", sagte sie.

"Daran mangelt es nicht", antwortete der Chor.
Und sie alle schrieben über ihre Lektion.
Note: 6

Otterside




Ein Witz für Linguisten und Sprinterinnen im Mantel

Sportmanteau.

Video

Schnittrailer, Schnitt
Zwischen den Zeilen oder besser
Zwischen den Frames

Fadout die Norm
Mit dem französischen Horn
Oder bester
Mit dem Orchester

Am Schluss die Credits so
Idee - Regenwart
Verwirklichung - Regenwart
Text - Regenwart
An nichts gespart,
mit Riesen gepaart:
Technik - Google

Armin K., Hauptstrasse 19A, R.

Lieber Armin

Du weisst, wie gerne ich meine Haare kürzer schneide, es ändert sich dann die ganze Realität. Scherenschnitt Schabernack, hat mein Bruder immer gesagt.
Letzte Woche ist mir beim Kürzermachen ein Gedicht eingefallen. Ich möchte es dir schenken:

Armin hält seinen
Arm in seinen
Ärmel hin
seinen
Arm

Gefällt es dir? Mir leider überhaupt nicht, deshalb will ich es auch loswerden. Schenken ist ja nur ein Euphemismus. Stinkt nach Moderne und der Entwicklung des Dieselmotors und jetzt habe ich überall Stoppeln auf meinem weissen Hemd, sehr mühsam.

Ganz liebe Grüsse etc. etc.
Armin

Meditation

Sie machte eine seltsame Entdeckung, als sie am ersten Morgen ihrer Reise in die fernöstlichen Kloster, von denen sie im Internet so viel gelesen hatte, erwachte. Zuhause, im fernwestlichen Vorort einer steuergünstigen Stadt, wohnte sie neben einer Hauptstrasse und die Motoren des Fernverkehrs waren ihr bessere Freunde geworden als mancher Cousin.

Die Entdeckung war akustischer Natur. An die rasenden Zylinder hatte sie sich nämlich dermassen gewöhnt, dass sie jetzt, da höchstens mal ein Vogel schrie, ein Loch fühlte, ein Loch in der Form von Lastwagenlärm. Löcher hatte sie schon immer gehasst, ihre Socken stets zusammengenäht oder weggeworfen, wenn sich in ihnen eines gebildet hatte und ins Emmental wäre sie nie gezogen.

"Meine Ohren suchten so unglaublich verzweifelt nach ihrem geliebten brummenden Rauschen, es tat mir in der Seele weh", sagte sie einen Monat später im Gerichtssaal.

Man munkelte im Kloster, der Vorsitzende könne bei jeder Art von Problem helfen und so erklomm sie die Stufen zum Turmzimmer, wo der Vorsitzende um diese Tageszeit zu meditieren pflegte. Die Pistole hatte sie vorsichtshalber schon geladen.

Als sie fünfundzwanzig Jahre später aus dem Gefängnis entlassen wurde, einige Jahre früher wegen guter Führung, kaufte sie sich einen riesigen Bassverstärker und googelte "Strassenlärm".

"Mein Kind, ich spüre Unruhe in deiner Seele", sagte der Vorsitzende klischeehaft.
"Meister, ich vermisse, was mich, so wie ich glaube, unglücklich machte."
"Mein Kind, auch der Mensch sehnt sich nach der Berührung seines Wesens. Teig kann man nur kneten, nicht streicheln", sagte er.

Ob der Weisheit traten ihr Tränen in die Augen, sie lächelte beseelt.

"Meister, lassen Sie mich eine Autobahn bauen!"

"Mein Kind, tue, was Papa sagt!", raunte er. Da sah sie, dass er gar nicht mit ihr sprach sondern mit seiner zweijährigen Tochter und dass Mein Kind ganz wörtlich gemeint gewesen war, doch Kinder waren im Kloster verboten und ihre enthüllende Reportage über die schleichende Korruption in geistlichen Einrichtungen brachte ihr im Westen zwar Ruhm ein aber Amnesty konnte sie nicht aus dem fernöstlichen Gefängnis holen, weil alle Leute damit beschäftigt waren, Waren zu transportieren in Lastwagen und so spendete gar niemand.


Riesen

Riesenkrawalle in dieser einen Grossstadt, Riesenchaos.

Zuckergefüllte Schockobrocken randalieren und werfen Steine auf Schaufenster!

offen sichtlich

Früher, vor seiner Hochzeit und vor seiner Ehekrise und vor seiner Versöhnung und vor seiner Scheidung ist er immer mit dem Rücken nach unten auf die matschigfeuchte Wiese neben der Hauptstrasse gelegen und hat in die ernsten, knorrigen Äste der mächtigen Fichte, die nach seinem Ableben gefällt wurde, geschaut.
Er hat sich dann jeweils vorgestellt, das seien die feinen Nervenbahnen der Erde selbst, die sich gierig in die Luft erheben. Heute tut er das nicht mehr, denn wie gesagt, er ist ja tot. Auch sein Sohn tut das nicht mehr, denn wie gesagt, sie wurde ja gefällt. Auch diese Geschichte tut das nicht mehr, denn wie gesagt, es ist einfach eine Geschichte und die haben normalerweise keine Augen und selbst wenn sie Augen hätten, die wären mehr so zur Deko, denn Geschichten haben einen Genfehler und sind zwingend blind.

Entleert

Das ist die Geschichte des Mannes, der seine Leidenschaft in Form einer Münze aus Kupfer auf der Strasse verloren hatte.

Wie man in der Schule lernt, zieht Metall Blitze an und so kam es zu einem Gewitter.

Eigentlich ist das wirklich schön, dachte sich der Mann.

Er war sich nur unsicher ob es fallende Tropfen waren oder nicht viel eher tropfende Fallen.